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Crash mit Totalschaden – was zählt: Wiederbeschaffungswert oder Reparaturkosten?

 

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Nach einem Unfall mit Totalschaden entsteht die Frage: Zahlt die Haftpflicht des Unfallverursachers die konkreten Reparaturkosten oder den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges? Die Antwort darauf bedeutet häufig einen erheblichen finanziellen Unterschied für den Geschädigten.

Beispielrechnung zeigt große Differenz

Folgender Fall ist denkbar. Nach einem Unfall betragen die Reparaturkosten am Fahrzeug mehr als 130 Prozent vom Wiederbeschaffungswert. Nun ergibt sich folgende Beispielrechnung:

  • Wiederbeschaffungswert des Unfallfahrzeuges: 10.000,- Euro
  • Reparaturkosten: 14.000,- Euro
  • Restwert des Unfallfahrzeuges laut Gutachten: 4.000,- Euro
  • Haftpflicht-Leistung vom Verursacher an den Geschädigten: 6.000,- Euro.

Von diesen nur 6.000,- Euro – denkbar wären auch die Reparaturkosten von 14.000,- Euro – muss sich der Geschädigte nun ein gleichwertiges Fahrzeug beschaffen. Und dafür hat er nicht allzu lange Zeit – denn: Die Mietwagenkosten übernimmt die Haftpflicht der KFZ Versicherung des Unfallverursachers in der Regel nur für 14 Tage.

Abrechnungsmethode vom Landgericht erlaubt

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Das Landgericht Schweinfurt urteilte zu einem solchen Fall am 12.09.2016. Gegenstand des Verfahrens war ein Unfallschaden, der unterhalb der 130 Prozent vom Wiederbeschaffungswert lag. Die Reparaturkosten betrugen laut Gutachten des Sachverständigen exakt 12.999,99 Euro. Diesen Rahmen hielt die Werkstatt ein und griff dafür zum Beispiel auf gebrauchte Ersatzteile zurück. Das sei erlaubt, so die Richter: Die Werkstatt entscheidet darüber, wie sie Reparaturkosten senken kann. Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers zahlt dem Geschädigten also 12.999,99 Euro statt der nur 6000,- Euro. Die hätte er bekommen, wenn die Reparaturkosten 130 Prozent vom Wiederbeschaffungswert überschreiten.

Urteil noch auf dem Rechtsweg

Der Geschädigte ist allerdings verpflichtet, das Fahrzeug nach diesem Urteil jetzt noch ein halbes Jahr zu behalten. Andernfalls muss er die Differenz zwischen Reparaturkosten und Wiederbeschaffungswert zurückzahlen. Das Urteil wurde vom Landgericht der Judikatur vom Oberlandesgericht München bestätigt, eine Revision allerdings nicht zugelassen. Wegen dieser Konstellation steht eine deutschlandweit verbindliche Rechtsprechung vom Bundesgerichtshof noch aus. Sie entsteht erst durch das höchstinstanzliche Urteil.